Die Station entscheidet, wie das Produkt in den Prozess kommt
Eine Big-Bag-Entleerstation entscheidet darüber, wie sauber, wie schnell und wie vollständig ein Schüttgut in Ihren Prozess kommt. Wir legen Entleerstationen für Pulver, Granulate und schwer fließende Schüttgüter aus – von der staubarmen Standardausführung bis zur staubdichten Station mit Kontrollsiebung, gravimetrischer Dosierung und pneumatischer Abförderung. Komponenten unserer Partner, Sonderteile aus der eigenen Fertigung in Graz, Montage und Service in Österreich.
Wo Big-Bag-Entleerstationen im Alltag scheitern
Die meisten Anfragen erreichen uns nicht, weil eine Station fehlt, sondern weil die vorhandene nicht zum Schüttgut passt. Vier Fließbilder treten dabei immer wieder auf: Das Produkt fließt frei und wird zu schnell abgezogen. Es bildet über dem Auslauf eine Brücke und bleibt stehen. Es läuft in der Mitte durch und lässt einen Ring stehen (Tunnelbildung). Oder es ist unter Transport und Lagerung zu einem Monoblock verdichtet und muss mechanisch gelöst werden.
Dazu kommen die Punkte, die in der Produktion Geld kosten: Staubaustritt an der Auslauftülle, Restmengen im Inliner, die als Abfall entsorgt werden, langsame Entleerung bei Bedarfsspitzen und Produktwechsel, die die Anlage länger stillstehen lassen als die eigentliche Entleerung dauert. Typischerweise geht es um Restmengen von 2 bis 5 kg je Big Bag und Entleerzeiten von 8 bis 15 Minuten je Sack – beides lässt sich konstruktiv deutlich verbessern.
Aufbau: die Baugruppen einer Entleerstation
Eine Entleerstation ist ein Baukasten. Welche Baugruppen Sie brauchen, ergibt sich aus dem Schüttgut, der Halle und dem nachgeschalteten Prozess – nicht aus einem Katalogtyp.
| Baugruppe | Funktion | Ausführungsvarianten |
|---|---|---|
| Entleergestell | Trägt Big Bag und Auslauftrichter, nimmt die Kräfte aus der Auflockerung auf | Normalstahl beschichtet, verzinkt oder Edelstahl 1.4301/1.4404 |
| Beschickung | Bringt den Big Bag über die Station | Stapler mit Hebekreuz und Federstraffung, Kranbahn; Traglast üblich 1.000 bis 2.000 kg |
| Anschlusssystem | Verbindet Auslauftülle und Anlage | Staubarme Entleervorrichtung, staubdichter Entleertrichter mit Klemmvorrichtung, Containment-Anschluss für hohe Wirkstoffklassen |
| Entleerhilfe | Löst Brücken, Tunnel und Verdichtungen | Walkvorrichtung, Pilz- oder Balkendrucksystem, Vibrationstisch, Federstraffung des leer werdenden Sacks |
| Absaugung | Hält den Bediener und die Umgebung staubfrei | Punktabsaugung an der Tülle, Absaugung des Trichterraums, Filterpatrone mit Druckluftabreinigung |
| Produktaufbereitung | Trennt Fremdkörper ab, löst Agglomerate | Kontrollsieb oder Schutzsieb im Auslauf, Magnet- oder Allmetallabscheider, Klumpenbrecher |
| Abzug und Abförderung | Übergibt dosiert an den Prozess | Zellenradschleuse, Flachschieber, Rohr- oder Trogschneckenförderer, pneumatische Saug- oder Druckförderung |
| Steuerung und Sicherheit | Bedienung, Verriegelung, Dokumentation | Schützsteuerung bis Touchpanel mit Rezeptverwaltung; Schutzumwehrung, Lichtschranke, Zweihandbedienung |
Staubarm oder staubdicht? Die Wahl des Anschlusssystems
Diese Entscheidung bestimmt Preis, Bedienzeit und Arbeitsschutz stärker als jede andere. Sie hängt am Staubungsverhalten des Produkts und am zulässigen Expositionswert.
Eine staubarme Standardvorrichtung genügt bei grobkörnigen, kaum staubenden Produkten und unkritischen Arbeitsplatzgrenzwerten. Ein staubdichter Entleertrichter mit Klemmvorrichtung – bei J. Engelsmann die JEL-Ausführung – schließt die Auslauftülle gegen die Umgebung ab und ist der übliche Standard für Pulver in Lebensmittel- und Chemieanwendungen. Ein Containment-Anschlusssystem mit definiertem Rückhaltevermögen kommt dort zum Einsatz, wo Wirkstoffe oder Feinstäube mit niedrigem Grenzwert gehandhabt werden; die Einordnung erfolgt über die OEB-Klasse des Produkts, praktisch relevant sind hier OEB 3 und OEB 4.
Faustregel für die Auslegung: Der Grenzwert des Produkts, nicht das Wunschbudget, bestimmt das Anschlusssystem. Rüsten Sie eine staubarme Station nachträglich auf staubdicht um, sind Trichter, Absaugung und häufig auch das Gestell betroffen.

Auswahlkriterien nach Schüttgut und Prozess
Die folgenden Angaben brauchen wir für eine belastbare Auslegung. Sie können sie als Datenblatt anfordern und ausgefüllt zurücksenden.
| Kriterium | Was wir wissen müssen | Auswirkung auf die Bauform |
|---|---|---|
| Schüttdichte | Wert in kg/m³, lose und verdichtet | Traglast von Gestell und Hebezeug, Trichtervolumen, Abzugsleistung |
| Fließverhalten | Frei fließend, brückenbildend, tunnelbildend, verdichtend | Auswahl und Dimensionierung der Entleerhilfe |
| Korngröße und Feinanteil | Verteilung, Anteil unter 100 µm | Staubungsverhalten, Absaugleistung, Filterauswahl |
| Feuchte und Hygroskopie | Feuchtegehalt, Verhalten bei Luftkontakt | Notwendigkeit von Trockenluft, Heizung oder geschlossener Führung |
| Abrasivität | Härte, Kantigkeit, Anteil harter Partikel | Werkstoff und Verschleißschutz an Trichter, Schleuse und Rohrbögen |
| Temperatur | Produkttemperatur beim Entleeren | Dichtungswerkstoffe, Lagerauswahl, Wärmeausdehnung |
| Durchsatz | kg/h im Mittel und in der Spitze, Säcke je Schicht | Abzugsorgan, Anzahl der Stationen, Automatisierungsgrad |
| Ex-Zone | Zoneneinteilung nach Explosionsschutzdokument, Staubkennwerte | Geräteauswahl, Erdung, Ausführung von Motoren und Steuerung |
| Hygiene | Reinigungsverfahren, Produktwechselhäufigkeit, Nachweispflichten | Oberflächengüte, Demontierbarkeit, Werkstoffzeugnisse |
| Aufstellort | Raumhöhe, Bodenanschluss, Zufahrt, bestehende Anlagenteile | Bauhöhe, Teilung des Gestells, Montagekonzept |
Explosionsschutz: was in Österreich gilt
Beim Entleeren brennbarer Stäube entsteht rund um die Entleeröffnung eine explosionsfähige Atmosphäre. Die österreichische Praxis nach VEXAT geht von einer Zone 21 im Umkreis von etwa einem Meter um die Öffnung aus; daran anschließend ergibt sich eine Zone 22, wenn Staub sich ablagern kann. Werden Ablagerungen durch festgelegte Reinigungsintervalle verlässlich vermieden, kann der umgebende Bereich zonenfrei bleiben. Das Explosionsschutzdokument nach § 5 VEXAT hält diese Einteilung fest – es ist die Grundlage, auf der wir Geräte auswählen, nicht ein Nachweis, den man nachträglich beibringt.
Der zweite Punkt ist die Ableitung statischer Ladung. Big Bags werden nach FIBC-Typen unterschieden: Typ A ohne Schutz und nur außerhalb explosionsgefährdeter Bereiche, Typ B mit reduzierter Durchbruchspannung, aber ohne kontrollierte Ableitung, Typ C mit leitfähigen Fäden, die zwingend geerdet werden müssen, und Typ D, der Ladung ohne Erdung ableitet, sofern die Einsatzbedingungen passen. Bei Typ C ist die Erdung während des gesamten Entleervorgangs zwingend; wir setzen dafür eine Erdungsüberwachung ein, die die Station erst freigibt, wenn der Ableitwiderstand unter 10⁶ Ohm liegt. Klemm- oder Aufblasmanschetten müssen wirksam anliegen, damit die Verbindung Tülle–Trichter nicht zur Zündquelle wird.
Ergänzend gehören ableitfähige Böden, geeignetes Schuhwerk und das Verbot funkenziehender Werkzeuge im Bereich der Station zur Betreiberpflicht. Wir legen die Station so aus, dass sie in Ihre Zoneneinteilung passt, und liefern die Konformitätsunterlagen für die eingesetzten Geräte mit.

Hygiene, Reinigung und Produktwechsel
In Lebensmittel-, Tiernahrungs- und Pharmaanwendungen entscheidet die Reinigbarkeit über die tatsächliche Verfügbarkeit der Anlage. Bewährt haben sich totraumarme Trichter mit vergrößerten Radien und glatten Oberflächen – Rautiefe Ra ≤ 0,8 µm ist für produktberührte Flächen der übliche Zielwert –, geschlossene Rundrohre statt offener Profile im Gestell, abgeschrägte Ecken gegen Staubablagerung und Dichtungen mit Konformitätserklärung nach EU-Verordnung 1935/2004 beziehungsweise FDA.
Für den Produktwechsel zählt, wie schnell die produktberührten Teile ohne Werkzeug herauskommen. Bei einer sauber ausgelegten Station liegt der Wechsel inklusive Reinigung bei 30 bis 45 Minuten; bei verschraubten Trichtern und schlecht zugänglichen Siebkästen wird daraus leicht die halbe Schicht. Wenn Sie zwischen mehreren Abgabestellen wechseln – etwa Silobefüllung und Containerabfüllung –, planen wir ein schwenkbares Fallrohr statt eines Umbaus ein.
Anbindung an den nachgeschalteten Prozess
Die Entleerstation ist selten der Zweck. Sie ist der Anfang einer Kette, und die Übergabepunkte entscheiden über die Prozesssicherheit.
Kontrollsiebung direkt im Auslauf
Ein Schutzsieb unmittelbar unter dem Big Bag trennt Verpackungsreste, Schrauben und Metallspäne ab, bevor sie in den Prozess gelangen, und löst gleichzeitig Agglomerate. Übliche Maschenweiten liegen je nach Produkt bei 0,5 bis 3 mm. Ergänzend arbeitet ein Magnet- oder Allmetallabscheider auf Fremdmetalle, die durch die Masche passen.
Gravimetrische Dosierung
Soll das Produkt nicht nur abgezogen, sondern mengengenau in einen Prozess eingespeist werden, folgt eine Differentialdosierwaage oder ein Schneckendosierer. Der Big Bag wird dann zum Vorlagebehälter, die Nachfüllung erfolgt über Füllstandsmeldung; die Dosiergenauigkeit liegt anlagentypisch bei ±0,5 bis 1 Prozent vom Sollwert.
Pneumatische Förderung
Für Wege über wenige Meter oder mehrere Abgabestellen ist die pneumatische Förderung meist die einfachere Lösung als eine mechanische Kette. Die Einspeisung erfolgt über Zellenradschleuse oder Injektor; die Rohrführung mit Bogenradien und Verschleißschutz planen wir mit.
Silo- und Behälteranbindung
Wird aus dem Big Bag ein Silo oder ein Tagesbehälter befüllt, kommen Füllstandsmessung, Entlüftung mit Filter und Absperrorgan hinzu. Übergangsstücke und Behälter fertigen wir passend zur bestehenden Anlage.


Was wir dabei übernehmen
Sobitsch besteht seit 1987 und arbeitet als technischer Partner, nicht als Katalogversand. Für eine Entleerstation heißt das: Wir klären die Aufgabe am Prozess, wählen die Komponenten aus dem Programm unserer Partner aus – J. Engelsmann für Big-Bag- und Siebtechnik, Coperion für Zellenradschleusen, Weichen und Flachschieber, Coperion K-Tron für die Dosierung, Jacob für Rohrführung und Absaugung, Sesotec für den Fremdkörperschutz – und ergänzen Fertigung, Traversen, Montagerahmen, Trichter, Behälter, Zyklone, Übergangsstücke und Sonderrohrteile. Montage, Inbetriebnahme und Service über unseren Partner Hohl Maschinenbau.
Genau dieser Übergang zwischen Komponente und bestehender Anlage ist der Teil, den ein Hersteller aus der Ferne nicht übernimmt – und der bei Umbauten den Zeitplan bestimmt.
Unsere Partner
Die Komponenten kommen von Herstellern, die wir seit Jahren vertreten – ergänzt um Sonderteile aus unserer eigenen Fertigung.
Unsere Kunden profitieren von:
- Auslegung anhand der Schüttgutkennwerte, nicht anhand eines Katalogtyps
- staubarmer oder staubdichter Ausführung, passend zum Arbeitsplatzgrenzwert
- Eigenfertigung für Traversen, Trichter, Behälter und Sonderteile
- Abstimmung auf Ihre Zoneneinteilung samt Konformitätsunterlagen
- Montage, Inbetriebnahme und Ersatzteilversorgung aus Österreich
Häufige Fragen
Die Spanne ist groß, weil die Bauform den Preis bestimmt: ein staubarmes Entleergestell mit einfacher Absaugung liegt bei einem Bruchteil einer staubdichten Station mit Kontrollsieb, Dosierung und Steuerung. Nennen Sie uns Schüttgut, Durchsatz, Ex-Zone und Hygieneanforderung, dann erhalten Sie eine belastbare Angabe statt einer Bandbreite.
Über die Entleerhilfe und die Sackführung. Walkvorrichtungen und Pilz- oder Balkendrucksysteme lösen Brücken und Verdichtungen, eine Federstraffung zieht den leer werdenden Sack nach, sodass sich keine Falten mit Restmengen bilden. Bei stark haftenden Produkten kommt ein Vibrationstisch hinzu.
Ausschlaggebend ist der Arbeitsplatzgrenzwert des Produkts und sein Feinanteil. Bei staubenden Pulvern in Lebensmittel- und Chemieanwendungen ist der staubdichte Entleertrichter mit Klemmvorrichtung der Standard; bei niedrigen Grenzwerten wird daraus ein Containment-Anschluss.
Häufig ja. Entleerhilfe, Absaugung, Kontrollsieb und Abzugsorgan lassen sich meist ergänzen. Der Wechsel von staubarm auf staubdicht greift dagegen in Trichter, Absaugung und oft ins Gestell ein – hier lohnt der Vergleich mit einer neuen Station.
Schüttgut mit Sicherheitsdatenblatt und Staubkennwerten, Schüttdichte, Fließverhalten, Korngröße, Durchsatz, Ex-Zone laut Explosionsschutzdokument, Hygieneanforderung sowie Raumhöhe und Aufstellort. Für die Ex-Beurteilung sind Mindestzündenergie und Staubexplosionsklasse maßgeblich.
Auslegung anfragen
Senden Sie uns Schüttgut, Durchsatz, Ex-Zone und Reinigungsanforderung – Sie erhalten innerhalb von zwei Arbeitstagen einen Vorschlag mit Bauform und Komponentenliste.
